Warum Public Vitality Camp?

Das Camp geht von einer einfachen Beobachtung aus: Das Bewusstsein für gesellschaftliche Herausforderungen wächst häufig schneller als unsere gemeinsame Fähigkeit, mit ihnen umzugehen.

Institutionen erkennen Probleme, doch Zeit, Mandate oder tragfähige Beziehungen fehlen. Communities verfügen über praktisches Wissen, bleiben aber oft weit von den Orten entfernt, an denen Entscheidungen fallen. Lösungen werden entwickelt, während sich die Bedingungen bereits weiter verändern.

Public Vitality fragt deshalb nach mehr als kurzfristiger Krisenfestigkeit: Was lässt Menschen, Institutionen und lebendige Systeme auch unter veränderten Bedingungen handlungsfähig bleiben? Und wie entwickeln sie gemeinsam die Fähigkeiten, die eine noch unbekannte Zukunft verlangen wird?

Public

Öffentlichkeit entsteht, wenn Menschen erkennen, dass sie von denselben Entwicklungen betroffen sind, eine gemeinsame Sprache dafür finden und Möglichkeiten erhalten, gemeinsam zu handeln.

Das Öffentliche ist damit mehr als eine Zielgruppe oder ein Publikum. Es muss immer wieder hergestellt und gepflegt werden – durch Beziehungen, zugängliche Räume, geteiltes Wissen und Verfahren, in denen unterschiedliche Erfahrungen wirksam werden können.

Vitality

Vitalität bezeichnet die Fähigkeit, unter veränderten Bedingungen Initiative, Urteilskraft, Verantwortung, Vertrauen und Lernfähigkeit hervorzubringen und zu erneuern.

Ein System kann weiterlaufen und dabei die Menschen erschöpfen, die es tragen. Ein Quartier kann widerstandsfähig erscheinen, weil Bewohner:innen Aufgaben übernehmen, für die ihnen Ressourcen und Entscheidungsmacht fehlen. Kurzfristige Stabilität sagt deshalb wenig darüber aus, ob gemeinsame Handlungsfähigkeit auf Dauer wächst oder schwindet.

Das Camp untersucht, welche Formen der Anpassung Beziehungen stärken, Handlungsspielräume erweitern und Belastungen weniger häufig an andere Orte, Gruppen oder zukünftige Generationen weiterreichen.

Camp

Ein Camp ist vorläufig. Es bündelt Aufmerksamkeit und bringt Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Beweggründen an einem Ort zusammen. Gemeinsam müssen sie sich orientieren: Was geschieht hier? Was ist schützenswert? Welche Spannungen brauchen Bearbeitung? Was kann erprobt werden?

Der Begriff trägt zugleich unbequemere Bedeutungen – Schutz und Vorbereitung, aber auch Befehl, Überwachung und Ausschluss. Auf dem Teufelsberg sind diese Bedeutungen in die Landschaft eingeschrieben. Dadurch werden Fragen konkret, die andernorts leicht abstrakt bleiben.

Unser Ansatz

Das Public Vitality Camp baut auf Erfahrungen aus öffentlicher Innovation, demokratischer Praxis, Resilienz, Friedensarbeit, Systemarbeit und ortsbezogener Entwicklung auf.

Unsere langjährige Arbeit hat uns gezeigt: Unterschiedliche Menschen zusammenzubringen reicht nicht. Zusammenarbeit braucht Vorbereitung.

Wir beginnen damit, die Situation zu verstehen, die Spannung zu lokalisieren und herauszufinden, wer verschiedene Teile davon trägt. Manchmal ist ein gemeinsames Treffen die richtige Intervention. Manchmal nicht.

Kuration wird so zu einer Form ziviler und institutioneller Untersuchung. Facilitation kann Meinungsverschiedenheiten schärfer sichtbar machen, statt sie abzuschwächen. Dokumentation richtet sich darauf, was danach möglich werden soll.

Die Methode wird sich durch das Camp weiterentwickeln. Das Ziel ist, Komplexität bearbeitbar zu machen, ohne sie vorschnell auf eine Lösung zu reduzieren.

Ein wachsendes Ökosystem

Das Public Vitality Camp wurde von Johanna Sieben, Caroline Paulick-Thiel und Tim Lazaroff initiiert. Inzwischen wird es gemeinsam mit einem wachsenden Netzwerk von Organisationen entwickelt, die in den Bereichen öffentliche Innovation, Resilienz, zivile Infrastruktur, Friedensarbeit und Systemwandel tätig sind.

Gemeinsam bringen wir das Wissen, die Beziehungen und die praktische Fähigkeit ein, die nötig sind, um jedes ortsbezogene Camp zu gestalten und die Arbeit darüber hinaus weiterzutragen.

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